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SBF Persönlich

17.01.2022

© Linda Pollari, Urs Tillmanns

Urs Tillmanns. Nach mehr als 27 Jahren wird «Fotointern», die Schweizer Website für tagesaktuelle Fotonews und einer Fotoagenda nicht mehr unter der Leitung seines Gründers Urs Tillmanns (76) stehen, sondern neu von seinem langjährigen, freien Mitarbeiter Markus Zitt geleitet.

Tillmanns Laufbahn begann mit dem Abschluss seiner Fotografenlehre 1968 bei Hans Hinz in Basel, einem der ersten gewerblichen Farbfotografen der Schweiz. Während 14 Jahren arbeitete er danach als Werbe-, Wissenschafts- und Industriefotograf, so bei der Kriminaltechnik der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, bei der Uhrenfirma Longines in St.Imier und bei Alusuisse, Forschung + Entwicklung in Neuhausen.

Vom 1976 bis 1991 betreute Tillmanns als Schweizer Chefredaktor die internationale Zeitschrift PHOTOGRAPHIE. Er verfasste in jener Zeit über 1’200 Fachartikel, Aufsätze zu theoretischen und praktischen Bereichen der Fotografie und veröffentlichte 13 Fachbücher zu fotodidaktischen, technischen und fotogeschichtlichen Themen.



Ab 1991 war Tillmanns als freischaffender Fachpublizist und Redaktor tätig und betrieb die Pressestelle der Interessengemeinschaft der Schweizer Foto-Lieferanten (ISFL). Er war Präsident der Gesellschaft des Schweizerischen Kameramuseums in Vevey und war bis am 31.12. 2021 als Gründer und Herausgeber von «Fotointern» sowie der dazugehörenden «Fotoagenda» tätig. Fotointern erschien zunächst 14-täglich als gedrucktes Magazin für Profis und den Fotohandel und ist seit 13 Jahren als tagesaktuelle Website online.

Warum hast du Fotointern gegründet? Die Gründung erfolgte 1994. Ich war damals Chefredaktor der Schweizer Ausgabe der Zeitschrift «PHOTOGRAPHIE», die danach an einen Verlag in Deutschland verkauft wurde. Ziel war es, mit Fotointern eine neue, regelmässig erscheinende Schweizer Branchenzeitschrift für Berufsfotografen und den Fotohandel zu schaffen, die es in dieser Kadenz und Art noch nicht gab. Es sollten vor allem interessante Neuheiten vorgestellt, aber auch Branchenthemen, die einen Schweizer Bezug hatten, angegangen werden. Die Zeitschrift sollte einen Gegensatz bilden zu den grossen, vorwiegend deutschen Fotozeitschriften, die alle monatlich erschienen und sich mit ausführlichen, technischen Artikeln und Portfolios vor allem an Amateurfotografen wandten.

Wie konnte sich Fotointern in der Schweizer Fotoszene langfristig etablieren und halten? Da hat die Bekanntheit von PHOTOGRAPHIE geholfen, die in der Schweiz seit 1977 sehr erfolgreich war und auch von der Fotoindustrie stark unterstützt wurde. Die Idee, eine heftartige, vierzehntägliche Zeitschrift, vor allem mit Branchenthemen auf den Markt zu bringen, wurde auch von den Lieferanten sehr begrüsst. Mit einem günstigen Abopreis und der Gratis-Belieferung der Lehrlinge fand Fotointern schnell eine grosse und treue Leserschaft. Problematisch wurde es erst 2008, als die Wirtschaftskrise das Anzeigengeschäft verunsicherte.

Vor allem grosse Player wie Kodak, Agfa und andere traten von den sonst üblichen Jahresdispositionen zurück, und es zeigte sich rasch, dass für 2009 die Rentabilität nicht mehr gesichert werden konnte. So ging es Fotointern wie vielen anderen Zeitschriften auch: Der Umstieg von der Printausgabe auf eine tagesaktuelle Internet-Plattform war die logische Konsequenz.

Was ist der Zweck von Fotointern? Das Publikationsziel von Fotointern ist seit dem Beginn vor 27 Jahren derselbe geblieben: Fotointern soll aktuelle Informationen zu neuen Produkten und kulturellen Themen vermitteln und dies möglichst auf die Schweiz bezogen. Das macht Fotointern im Vergleich mit ähnlichen ausländischen Fotonews-Plattformen unverwechselbar. Dazu tragen die Fotoagenda mit den Daten der wichtigsten Schweizer Ausstellungen bei. Auch Fotokurse, Reisen oder Buchbesprechungen, meist von Neuerscheinungen aus Schweizer Verlagen sowie Top Stories sind in der Agenda aufgeführt. Die Schwerpunktartikel haben das Schaffen von Schweizer Fotograf:innen oder Themen mit einem Schweiz-Bezug zum Inhalt.

Was hat sich in dieser Zeit in der Fotobranche geändert? In den 27 Jahren – ich rechne die Zeit der Printausgabe mit dazu, weil sie eine interessante Epoche abdeckt – ist Fotointern zu  einem fast lückenlosen Nachschlagewerk über die wichtigsten Neuheiten, spannenden Entwicklungen und Branchenthemen geworden. Dazu gehört vor allem der Übergang vom Film zum digitalen Bild. Zur Zeit werden die rund 8000 Seiten der Printausgaben von 1994 bis 2009 von der ETH-Bibliothek digitalisiert und verschlagwortet – eine Riesenarbeit, die im Laufe des begonnenen Jahres abgeschlossen sein soll. Damit entsteht ein digitales Nachschlagwerk, welches die Entwicklung der Fotografie in der Schweiz mit der Transition von der analogen zur digitalen Fotografie abdeckt. 

Warum hörst du auf? Das ist vor allem altersbedingt – man sollte ja die Dinge regeln, so lange man dazu noch in der Lage ist. Ich habe jetzt 11 Jahre «AHV-Überzeit», und da möchte ich mich anderen Dingen widmen, als täglich News zu produzieren. Jedes Jahr sind auf Fotointern etwa 1000 Artikel erschienen. Das sind rund zweieinhalb pro Tag – inklusive Samstag und Sonntag. Das ist ein Arbeitsdruck, der mir irgendwann zu viel wird. Glücklicherweise übernimmt mein Mitarbeiter Markus Zitt Fotointern, sonst hätte ich am 31. Dezember 2021 den Stecker gezogen.

Wie geht es mit dem Betrieb weiter? Markus Zitt und ich haben zwölf Jahre lang zusammengearbeitet. Zitt ist ein ausgewiesener Fachjournalist für Fotografie, Unterhaltungselektronik und IT und kennt Fotointern vom inhaltlichen Konzept bis zur Technik hinter der Website bestens. So ist gewährleitet, dass alles in gewohntem Rahmen weiterläuft. Vorläufig wenigstens, denn ein Kommunikationsmedium trägt immer die Handschrift der Macher und der zeitlichen Tendenzen. Das wird sich sicher früher oder später auch bei Fotointern bemerkbar machen. Kommt hinzu, dass ich nach wie vor für Fotointern tätig sein werde, aber nicht mehr täglich, sondern gelegentlich – und mit den Themen, die mir besonders liegen und mir Spass machen.
Weitere Informationen finden Sie auf Fotointern.ch

40 Jahre Photografie, Erinnerungen an die ersten Stunden (PDF; 735 KB).

Würdigung 

Urs Tillmanns – wertvolle SBF Unterstützung. Zu meiner Zeit als Sektionspräsident des SBF Ostschweiz und Fürstentum Liechtenstein habe ich Urs als Fotohistoriker und als Journalist, vorallem aber als wertvolles SBF Mitglied kennen gelernt. Urs verfasste zahlreiche Fachartikel zu theoretischen praktischen Bereichen der Fotografie und veröffentlichte Fachbücher zu fotodidaktischen, technischen und fotografiegeschichtlichen Themen. Er ist und war die Person, welche uns immer einen Wissensschritt voraus war. Seine Webseite fotointern.ch war für mich und viele andere immer die unabhängige Info-Anlaufstelle.

Der Fotograf, Fachpublizist und Fotohistoriker konnte jeweils aus dem Vollen schöpfen, wenn er für unsere Verbandssektion Vorträge gehalten oder neue Geräte vorgeführt und vor allem über die Verbandsaktivitäten der Sektion sowie gesamtschweizerisch in Fotointern berichtet hat (Pressearbeit). Im Jahre 2010 wurde er als Ehrenmitglied des Fotopresseverbands TIPA ernannt. 2016 wurde Urs sektions- und gesamtschweizerisches SBF Ehrenmitglied. Lange über seine Pensionierung hat er Fotointern weitergeführt. Der Verband bedankt sich herzlich bei Urs für seine langjährige, wertvolle fachliche Unterstützung und gönnt ihm seinen wohlverdienten Ruhestand.
Lukas Pfammatter

Goldpartner

Silberpartner